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Nachhaltige Kleidung – wann ist drin, was draufsteht?

14.09.2021 | 17:36 | Felix
Nachhaltige Kleidung – wann ist drin, was draufsteht? Abbildung 1: pixabay.com @ jdblack (CC0 Creative Commons)

Das Thema Nachhaltigkeit hat eine wachsende Bedeutung. Zu einem nachhaltigen Lebensstil gehört auch nachhaltige Mode. Der Begriff Nachhaltigkeit wird immer häufiger irreführend genutzt. Längst ist auch bei großen Modeketten nicht immer die Nachhaltigkeit drin, welche das Label vermeintlich verspricht. Hier erfährst Du, wie Du echte nachhaltige Mode erkennst!

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Bei der glasklaren Definition des Begriffes „Nachhaltigkeit“ im Zusammenspiel mit Fashion wird es schwierig. Es gibt keine rechtlich verbindliche Aussage darüber, wann ein T-Shirt und Co. tatsächlich nachhaltig ist. Allgemein formuliert lässt sich Nachhaltigkeit so umreißen: Du erwirbst ein Produkt, das in seiner Produktion weder Tier noch Mensch Schaden zufügt. Überdies bedeutet nachhaltige Mode auch verantwortungsvollen Umgang mit Arbeits- und Produktionsbedingungen. Hierzu gehört beispielsweise das Engagement gegen Kinderarbeit oder Niedriglöhne vor allem in Drittweltländern.

Nachhaltigkeit boomt & diese Siegel machen mit

Aktuelle Studien zeigen, dass Nachhaltigkeit für Konsumenten eine wachsende Bedeutung spielt. Beim Kauf von Lebensmitteln landen immer mehr Biolebensmittel aus nachhaltiger (regionaler) Produktion im Einkaufswagen und ähnlich sieht es auch in Sachen Fashion aus. Häufig lässt sich im Dschungel der Zertifikate und Siegel nur schwer erkennen, was wirklich nachhaltig ist.

Abbildung 1: pixabay.com @ jdblack (CC0 Creative Commons)

Bio-Baumwolle, beispielsweise mit dem Siegel „Cotton made in Africa“, wird immer beliebter.

Bist Du bei deiner Shoppingtour auf der Suche nach fairer und nachhaltiger Mode, solltest Du u. a. diese Siegel unbedingt kennen:

  • Cotton made in Africa

    Diese Initiative fördert kleinere Bauern, die nur 1 bis 3 ha Land bewirtschaften. Das Zertifikat bezieht Vorgaben der ILO Conventions mit ein, konzentriert sich allerdings auf ökologische Aspekte (u. a. ist genverändertes Saatgut verboten).

  • Fairtrade (Cotton)

    Dieses Siegel ist nicht nur aus der Mode bekannt, sondern auch aus dem mit Lebensmittelbereich. Schokolade oder Kaffee mit dem „Fairtrade“-Siegel ist auch in immer mehr Supermärkten zu finden. Fairtrade-Baumwolle wird seit 2016 nach einem strengen zertifizierten Textilstandard ausgewiesen. Dazu zählt nicht nur Nachhaltigkeit beim Anbau, sondern auch bei der gesamten Produktionskette. Neben dem Siegel „Fairtrade Cotton“ gibt es auch ein Siegel für „Fairtrade Textile Production“.

  • Fair Wear

    Diese Non-Profit-Organisation setzt sich weltweit in den 15 führenden Produktionsländern der Textilwirtschaft in Osteuropa, Asien sowie Afrika für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilproduktionsstätten ein.

  • Grüne Knopf

    Hinter diesem Siegel steht das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vergeben wird es durch die DAkkS (staatliche deutsche Akkreditierungsstelle) an Unternehmungen, die nachhaltige Kleidung produzieren. Um es zu erhalten, müssen die Unternehmen 46 definierte Sozial- und Umweltstandards einhalten.

Nachhaltigkeit bei Mode mit Verweis auf ILO Conventions – was ist das eigentlich?

Geht es um Nachhaltigkeit in der Mode, taucht immer wieder der Verweis auf die sogenannten „ILO Conventions“ auf. Hierbei handelt es sich um International Labour Organization – die älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit zu verbessern.

Immer mehr Länder machen mit und bekennen sich zu den ILO-Anforderungen. Die Verfassung umfasst mehr als 130 Seiten macht bereits in der Präambel deutlich, worum es wirklich geht:

Der Weltfriede kann auf die Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden.“

Zu den ILO-Kernarbeitsnormen gehören: Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung von Kinderarbeit, Diskriminierungsverbot in Beschäftigung sowie Beruf, Vereinigungsfreiheit.

Nachhaltige Fashion: Greenwashing vs. echte nachhaltige Materialien

Greenwashing – ein Vorwurf, mit dem auch große Modeketten immer wieder konfrontiert sind. Da der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht offiziell rechtlich geschützt bzw. einheitlich definiert ist, kommen viele Modelabel auf eigensinnige Nachhaltigkeitsideen.

Auch Moderiese H&M, der mit mehr als 20.000 Tonnen recycelter Kleidung wirkt und sich gegen Kinderarbeit stark macht, gerät mit Greenwashing-Vorwürfen in die Kritik. Ist wirklich drin, was auf dem Nachhaltigkeitslabel steht?

Abbildung 2: pixabay.com @ northernlightsgirl (CC0 Creative Commons)

Nachhaltige Materialien wie Marino- oder Bio-Wolle werden in der Fashion-Industrie immer beliebter. Dazu tragen nicht nur ihrer herausragenden Materialeigenschaften, sondern auch das gesteigerte Nachhaltigkeitsbewusstsein der Käufer bei.

H&M ist für seine Conscious Collection bekannt. Eine Modekollektion, die aus bewusster, nachhaltiger Produktion entsteht und im Vergleich zum klassischen Angebot der Modekette etwas preisintensiver ist. Der Naturschutzbund Deutschland schaute sich die Inhaltsstoffe einmal näher an und sieht die Produkte weniger „conscious“. Die ökologische Nachhaltigkeit ist längst nicht in allen Produktionsschritten gegeben. Der Baumwollanbau ist zwar biologisch, aber die Verarbeitung nicht. In diesem Prozess werden schädliche Zusatzstoffe (beispielsweise Bleichmittel oder Weichmacher) eingesetzt, welche Luft und Wasser verunreinigen können. Zwar verpflichtet sich der Modehersteller der „Better Cotton Initiative“, allerdings gibt es hier keine 100 % Nachhaltigkeitsstandards. Noch immer dürfen nämlich gentechnische Materialien eingesetzt werden.

Dennoch geht H&M wie viele andere Modeketten auch einen wichtigen Schritt in Sachen Nachhaltigkeit: das Recycling Zehntausender Tonnen alter Kleidung. Käufer können ihre alten Kleidungsstücke in einer der Filialen abgeben und sie der Wiederverwertung zuführen. Wurden 2014 zum Beginn der Recycling-Initiative noch mehr als 9.500 t Kleidung bei H&M gesammelt, sind es 2019 schon mehr als 20.000 t. Nachhaltigkeit kommt also an, auch bei den Kunden!

„Echte“ Nachhaltige Materialien

Die Materialien für nachhaltige Kleidung sollten so gewonnen und verarbeitet werden, dass sie ökonomischen, sozialen sowie ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Bio-Baumwolle wird besonders häufig verwendet. Beim Anbau der Naturfasern wird auf gentechnisch verändertes Saatgut verzichtet. Außerdem verwenden Bauern keine Pestizide und chemischen Düngemittel. Der Preis der Bio-Baumwolle ist aufgrund der fairen Anbaubedingungen etwas höher als bei der klassischen Baumwolle, allerdings sprechen die Materialeigenschaften für sich: äußerst langlebig, besonders atmungsaktiv, flexibel und temperaturregulierend.

Aus Bio-Baumwolle lassen sich beispielsweise im Handumdrehen eigene Fashion-Kreationen zaubern. Wie wäre es, ein altes T-Shirt zu recyceln und daraus ein schaurig-schönes Halloween-Kostüm zu zaubern? Mit einem schwarzen Stift wird aus einem weißen T-Shirt mit etwas Kreativität ein Skelett. Mit etwas mehr Aufwand und natürlichen Werbemitteln kann daraus sogar ein komplettes Kürbis-Outfit entstehen.

Auch mit diesen nachhaltigen Materialien sind der Fashion-Begeisterung und Kreativität keine Grenzen gesetzt:

  • Bio-Wolle

    Sie wird nicht nur nachhaltig und unter fairen Bedingungen angebaut, sondern ist auch äußerst wohltuend auf der Haut, kuschelig-weich, dehnbar und temperaturregulierend.

  • Merinowolle

    Lieferant der außergewöhnlichen Wolle ist das Merinoschaf, das vor allem in Australien sowie Spanien zu Hause ist. Im Vergleich zu anderer Wolle ist sie kratzfrei und enorm weich. Ihre atmungsaktiven und temperaturregulierenden Eigenschaften machen sie zum optimalen Material für Funktionsbekleidung, beispielsweise bei Schulen.

1 Kommentare

HA
18.09.2021 12:15 Uhr

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